Was gaukelt dir, o sterblich Auge,
im flücht’gen Bilde dieser Welt?
Ein Schein, der trüglich sich zum Taugen
der Wahrheit falsche Formen stellt.
Du wähnst im äuß’ren Glanz zu finden,
was fest und ewig in sich ruht—
doch alles muss im Wechsel schwinden,
was nicht aus innerstem Urgrund tut.
Denn nicht die Dinge selbst bestehen,
wie sie dein flüchtig Denken misst;
sie sind nur Spiegel, nur Geschehen,
das in der Vorstellung erst ist.
Doch unter allem bunten Scheine,
verborgen vor des Geistes Blick,
wirkt eine Kraft, die ganz alleine
das All bewegt – und treibt zurück.
Ein blinder Drang, ohn’ Ziel und Ende,
der rastlos durch die Wesen zieht,
der Leben schafft aus eig’ner Spende
und sich im eignen Werke flieht.
Er ringt in dir, er will, er fordert,
er kennt kein Maß, kein sanftes Ziel;
er ist’s, der dich ins Dasein ordert—
und quält dich durch sein ew’ges Spiel.
Doch wenn der Geist, vom Schein geschieden,
sich selbst erkennt im stillen Raum,
dann sinkt der Wille müd’ zum Frieden
wie Nacht herab auf lichten Traum.
Da schweigt der Drang, da endet Streben,
da löst sich Qual in sanften Sinn—
und jenseits allem bloßen Leben
beginnt des Menschen wahrer Gewinn.
