Im stillen Heiligtum der Menschenbrust,
Wo Pflicht nicht drückt, doch frei sich selbst gebiert,
Erhebt sich leise ein erhabner Ruf,
Der ohne Zwang zum höchsten Gesetz uns führt.
Nicht Lust noch Laune lenkt den edlen Schritt,
Nicht flücht’ger Vorteil trübt den klaren Blick;
Ein inner Licht, von reiner Glut entbrannt,
Weist unbeirrbar auf das Gute zurück.
So handle denn, als wär dein Tun Gesetz,
Das ewig gilt im weiten Menschenkreis;
Als ob dein Wille, frei und würdevoll,
Der Welt den Maßstab sitt’ger Ordnung weiß.
Was du für dich begehrst, gewähre auch
Dem andern Geist, der dir im Wesen gleicht;
Denn gleich an Würde sind wir all vereint,
Wo Recht sich über Macht und Trug erhebt und reicht.
O Mensch, erkenne deinen hohen Stand!
Nicht Knecht des Triebs, nicht Spiel des Augenblicks—
Du bist berufen, dir selbst Gesetz zu sein,
Im Reich der Freiheit, jenseits blinden Geschicks.
So wachse denn in deiner eignen Kraft,
Und prüfe, was dein Innerstes gebiert:
Ob dein Entschluss, vom reinen Willen geformt,
Auch fremdem Herzen würdig gelten wird.
