Narziss und die Krone der Demut

Im Spiegel stiller Wasser lag

Ein Jüngling einst, von Licht umflossen,

So schön, dass selbst der Himmel zag’,

In seinem Bilde sich zu kosten.

Narziss, vom eigenen Glanz gebannt,

Verlor sich tief im eignen Schauen—

Bis er, vom Schicksal sanft ermahnt,

Zerfloss in Blume, mild zu trauen.

Nun hebt im Lenz die Narzisse ihr Haupt,

In goldnem Glanz, von Duft getragen,

Doch ist ihr Antlitz sanft gesenkt,

Als wollt’ sie still um Gnade fragen.

O Schönheit, die sich selbst erkennt,

Ist flüchtig wie des Morgens Schimmer—

Erst Demut macht sie wahr und rein,

Und adelt sie für Zeiten immer.

So mahnt sie still im Frühlingslicht,

Was eitlem Sinn einst blieb verborgen:

Nicht Selbstgenuss verklärt das Sein—

Nur Demut krönt den Glanz von morgen.