Der Lenz der Seele und die Geburt des Geistes

Im Morgenglanz, da jung der Lenz erwacht,

Durchflutet mild der Erde holdes Beben,

Ein Jüngling zieht, von frohem Geist entfacht,

Hinaus, die Welt mit allen Sinnen zu erleben.

Noch unbefleckt sein Blick, so klar, so weit,

Trinkt er das Licht aus tausend Blütenkelchen,

Und jeder Hauch der jungen Wirklichkeit

Scheint ihm ein Ruf, ein göttlich leises Sprechen.

Es flüstert ihm der Hain im Knospenkleid,

Es rauscht der Bach von ew’gen Wandlungszügen,

Und in der Lerche jubelnder Geleit

Erhebt sich schon der Drang, sich aufzuschwingen.

Mit kindlich heitrem Staunen fasst er kaum

Die Fülle, die sich seiner Seele schenket,

Denn jeder Duft, ein neu geborner Traum,

Ist Funke, der zum Höhern ihn gelenket.

So wächst im Spiel der Sinne still der Geist,

Erkennt in Lust des Daseins tiefe Bahnen;

Was heut noch leicht durch seine Hände gleist,

Wird morgen ihn zu ernster Größe mahnen.

O holde Zeit, da Staunen noch gebiert

Den Mut, das Unbekannte zu umfassen!

Da jeder Schritt, von Ahnung angeführt,

Die Schranken sprengt, die dumpfe Herzen fassen.

So schreitet er—ein Keim von Edlerem—

Durch Frühlingspracht zu reifrer Daseinsfülle,

Und hebt, vom Schönen still emporgehoben,

Den Blick zum Geist, zur Wahrheit und zum Willen.