An den Wein
O edler Trank, aus Rebenflut entsprossen,
Von Götterhand den Sterblichen verliehn!
Du löst der Sorgen Ketten unverdrossen,
Lässt Funken reiner Lebensfreude glühn.
Wo dumpfer Gram das Herz in Nacht gehüllt,
Wo Zweifel nagt am mutgebeugten Geist,
Dort sprühst du Licht, die Seele wird enthüllt,
Die Schwere flieht, die Lust erwacht und reist.
Des Weines Kraft erhebt uns zu den Höhen,
Wo Wahrheit glänzt in göttlich hellem Schein,
Wo wir, von ird’schen Fesseln sanft verwehen,
Dem Himmelswort uns öffnen, rein und klein.
Doch nicht allein zum Geist erhebt dein Feuer,
Es schließt der Brüder Herzen fest und weit.
Wo Becher klingen, stirbt des Neides Schleier,
Und Menschen teilen Freud und Einigkeit.
Drum preist den Wein! Er gießt in unsere Seelen
Den goldnen Tau, der Frühlingskraft verleiht,
Er lehrt uns, höh’re Wonnen zu erwählen,
Ein Band der Freundschaft, das die Zeit nicht scheut!

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