O Mensch, du Wanderer durch die Zeiten! Sieh, wie du, hochaufgerichtet im Stolz deiner Werke, doch den Boden unter deinen Füßen vergissest. Dort, in der stillen Umarmung der Erde, ruht das Geheimnis des wahren Gedeihens, des ewigen Kreislaufs, den die Natur in göttlicher Harmonie webt.
Nicht mit Gewalt gebietet sie, nicht mit Fesseln hält sie ihr Reich zusammen – und doch, in sanfter Ordnung, treibt sie das Rad des Lebens, speist Fluss und Wurzel, lässt Blüte erstrahlen und Frucht reifen. So folgt ihr die weise Seele, die nach Einsicht verlangt, und gleicht ihren Schritt dem sanften Gang des Waldes an.
Oh, erkenne, Sohn der Erde, Tochter des Himmels! Nicht ist es deine Bestimmung, zu knechten und zu plündern, sondern zu hüten und zu nähren. Nicht im Raub liegt der Segen, sondern in der Fülle des Gebens, im Austausch, im Kreis, der sich schließt. Die Frucht, die du heute mit gieriger Hand nimmst, sei auch die Saat, die du morgen mit liebevollem Geist streust!
Sieh den Baum, wie er wächst, ohne Maß und Zwang, dem Lichte zu! Sieh den Strom, der nicht fordert, sondern spendet, und doch mit jeder Welle seinen Weg zum ewigen Meere findet! So sei auch dein Werk: Ein Spiegel der Natur, nicht ein Fluch gegen sie!
So lasst uns denn lernen von der Mutter allen Seins! Lasst uns bauen, ohne zu zerstören, pflanzen, ohne zu erschöpfen, nähren, ohne zu herrschen! Dann erst, wenn wir nicht länger Herren, sondern Brüder und Schwestern der Erde sind, wird der Garten des Lebens in wahrer Blüte stehen.
