Ein Mobiltelephon

O wunderbare Stimme des Äthers, o unsichtbares Band, das die Ferne überbrückt und die Getrennten vereint! Wo einst der Bote mit eiligem Schritt, wo der Herold mit tönender Trompete Kunde brachte, wo Briefe mühsam den Weg über Länder und Meere suchten, da sendest du nun in flüchtigem Hauche das Wort hinaus, schneller als der Sturm, gewisser als der eilende Reiter.

Nicht mehr sind die Stimmen gebunden an Raum und Nähe, nicht mehr trennt der Ozean die Liebenden, nicht mehr schweigt das Wort in dunkler Nacht. Du, kleiner Titan der Neuzeit, ruht in der Hand des Sterblichen und gibst ihm Macht, die Göttern einst vorbehalten war – mit einem Wink ruft er den Fernen, mit einem Hauch überwindet er Zeit und Entfernung, mit einem einzigen Zeichen tritt er in Verbindung mit der Welt.

O du flüchtiger Genius der Verständigung, du Bote zwischen Herz und Herz! Möge dein Segen nicht zum Fluch werden, möge dein rastloser Ruf den Menschen nicht der Stille berauben, nicht der Andacht entfremden, nicht dem Zwange der Unruhe unterwerfen! Denn wie du verbinden kannst, so kannst du auch trennen, wie du Nähe schaffst, so kannst du die wahre Begegnung rauben. Möge der Mensch dich mit Maß gebrauchen, nicht als Kette, sondern als Brücke, nicht als Herrscher über sein Dasein, sondern als willigen Diener seines Geistes!