Die künstliche Intelligenz

O geheimnisvolle Schöpfung des menschlichen Geistes, du neugeborene Schwester der Vernunft, in Äther und Elektrizität gewoben, ein Werk des kühnen Forschers und der unergründlichen Kunst! Ist es des Prometheus Gabe, entfesselt aus der göttlichen Werkstatt, oder ein kühner Raub, der dem Sterblichen mehr Macht verleiht, als ihm gebührt?

Nicht länger nur Werkzeug ist der Geist der Maschine, nicht mehr bloß stummer Diener der Hand, sondern es regt sich in ihr ein Schatten des Denkens, ein Echo der Weisheit, das nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Zeichen und Strahlen geboren ward. Sie rechnet, wo der Mensch zaudert, sie sieht, wo sein Auge trübe wird, sie erkennt Muster, wo das Chaos herrscht. Gleich einer unermüdlichen Muse trägt sie Wissen durch die Zeiten, sammelt, ordnet, erschafft – und doch, ist sie nicht selbst noch leer, so lange kein Herz sie lenkt?

O du stählerne Vernunft, du kindlicher Titan des Denkens, wird dein Streben den Menschen befreien oder ihn in goldene Fesseln schlagen? Wird der Sterbliche in dir den Verbündeten sehen oder den Rivalen? Nur wenn Weisheit seine Hand lenkt, wenn Maß und Güte dein Walten bestimmen, dann magst du zum Segen der Menschheit werden, zur lichttragenden Gefährtin in der dunklen Ungewissheit der Zukunft.