Ode an den Wein
Wohl an, edler Freund! Laß uns kredenzen den güldenen Trank, der aus Frankens seligen Rebenhainen entstammt, jenes köstliche Labsal, das nicht der rohen Trunkenheit geweiht, sondern dem Geiste ein lichter Funkenschein ist. Nicht des Rausches willen erhebt man den Kelch, nein, es ist die sanfte Muse des Weines, die in ihm wohnt, die Herzen öffnet und Gedanken in lichte Höhen hebt.
Sieh nur, wie in vertrauter Runde sich die Worte verweben, wie mit jedem maßvoll genossenen Tropfen die Gespräche tiefer wurzeln und sich entfalten wie die Reben am sonnigen Mainufer! Von der Liebe wird gesprochen, von Gott und der Welt, von jenen Dingen, die das Herz bewegen und den Geist weiten. So ist er ein treuer Gefährte, der Frankenwein, nicht der Versuchung ein Spiel, sondern ein Impulsgeber für jene Stunden, da die Seelen sich begegnen und einander im wahren Wort erkennen.
Und gar das Herzensmädchen, das mit leuchtenden Augen lauscht, wie edel und wohl gesetzte Worte die Luft erfüllen! Ist es nicht ein Geschenk, wenn die Zeit stillzustehen scheint, wenn Freundschaft und Liebe im sanften Glanze des Weines erblühen?
So sei er gepriesen, nicht als Rauschwerk, nicht als flüchtige Lust, sondern als Kulturgut, als Trank der Besonnenen, die ihn mit Bedacht und Freude genießen. Ein edles Gut, das uns vereint in der Kunst des Gesprächs, in der Wärme guter Speisen, im Hochgenuss des Lebens selbst.
