Die heilige Würde des Menschen

Nicht als Gnade von Fürstenhand, nicht als Zugeständnis des Mächtigen an den Schwachen, nein! Aus dem Urquell der Vernunft, aus dem ewigen Rechte, das mit der Geburt dem Menschen eigen ist, entspringen die heiligen Gesetze der Freiheit und Gleichheit.

Was ist der Mensch, wenn er nicht frei ist? Ein Schatten seiner selbst, ein Knecht der Willkür, eine stumme Gestalt unter dem Joch der Tyrannei. Doch wo das Recht sich erhebt, wo der Geist des Menschen in klarer Flamme lodert, da sinken die Ketten, da tritt der Mensch hervor in seiner ganzen Majestät – gleich seinem Bruder, gleich seiner Schwester, ein Glied in der großen Kette der Menschheit, nicht höher, nicht niedriger, sondern in edler Gemeinschaft vereint.

Oh, ihr Mächtigen, erkennt das Gesetz, das älter ist als eure Throne, und ihr Unterdrückten, erhebt euch nicht mit dem Schwert, sondern mit der Stimme der Wahrheit! Denn nicht mit Gewalt, sondern mit Recht wird die Welt erneuert, nicht mit Furcht, sondern mit dem hohen Mut der Gerechtigkeit wird das Menschengeschlecht zur Vollendung geführt.

So sei es verkündet in alle Lande, von den Bergen bis zu den Tälern, dass kein Mensch dem anderen als Herr gegeben ist, sondern dass alle, nach göttlichem Rat, in gleicher Würde das Licht dieser Welt erblicken. Und mögen künftige Geschlechter, wenn sie auf unsere Zeit zurückblicken, nicht die Ketten, sondern die gelösten Fesseln sehen, nicht die Klage, sondern den jubelnden Gesang der befreiten Menschheit!