Das Steckenpferd des edlen Geistes

In der stillen Kammer des Gemüts, wo die Gedanken wie Sterne am Firmament der Seele leuchten, findet der wahrhaft freie Mensch sein eigentliches Reich. Dort, fernab vom Getümmel der Welt, widmet er sich jenem Steckenpferd, das seinen Geist zur höchsten Blüte treibt.

Wer die Poesie zum Gefährten wählt, den Klang der Worte wie Musik im Herzen trägt und die philosophischen Tiefen des Daseins ergründet, der wandelt auf dem Pfade zur Vollkommenheit. In stiller Betrachtung entdeckt er jene Harmonie zwischen Pflicht und Neigung, die den Menschen über die Grenzen seiner tierischen Natur erhebt.

Die Freiheit ist dem Menschen nicht geschenkt, sie muss errungen werden im immerwährenden Kampf mit den Leidenschaften. Doch wer sein Steckenpferd besteigt – sei es die Dichtkunst, die Weltweisheit oder die Betrachtung des Schönen – der findet in diesem Spiel den Ernst des Lebens und in der Beschränkung die wahre Meisterschaft.

Das edle Steckenpferd ist kein müßiger Zeitvertreib, sondern Übung zur Vollendung. In ihm vereint sich Tätigkeit mit Betrachtung, Leidenschaft mit Besonnenheit. So reitet der Mensch auf den Flügeln der Einbildungskraft dem Ideal entgegen, das in der Ferne leuchtet wie ein Stern.

In diesem freien Spiel der Kräfte, wo Vernunft und Sinnlichkeit sich vermählen, entfaltet sich die Schönheit der menschlichen Natur. Hier wird der Mensch erst ganz Mensch, indem er sein innerstes Wesen zur Erscheinung bringt und im Kleinen das Große, im Endlichen das Unendliche zu erfassen sucht.​​​​​​​​​​​​​​​​