Der allzu lange Männerabend

Holdes Weib, verzage nicht!

O süße Zierde meines Hauses, du zartes Kleinod, dem mein Herz in inniger Treue anhängt! Siehe, es ist nicht Leichtsinn, nicht schnöde Vergnügungssucht, die uns, die wackeren Recken, in traulicher Runde bis zur späten Stunde verweilen lässt. Nein, es ist die hohe Freude des Bundes, die hehre Kunst der Geselligkeit, die uns zum Becher ruft!

Bedenke, holde Gefährtin, dass der Mann, durch raues Tageswerk gebeugt, in solch frohem Reigen neue Kraft schöpft, auf dass er morgen mit frischer Stärke und gestähltem Mut seinen Pflichten walte. Ist nicht das heitere Gespräch, das kühne Lied und der feurige Trunk ein Balsam für des Mannes Seele, ein Labsal, das ihm die Last des Lebens versüßt?

O du, schönste unter den Frauen, du milder Engel des Hauses, gönne mir diesen edlen Augenblick der Freude! Wie der Baum tief wurzeln muss, um mächtig zu wachsen, so muss der Mann in der Freundschaft fest verankert sein, auf dass er in Liebe und Treue umso fester an deinem Herzen ruhe.

Schon bald wird meine Stimme, wonniglich verklärt, wieder deinen Namen flüstern, mein Fuß die Schwelle deines heiligen Heims betreten, mein Arm dich umfassen, süße Zuflucht meines Lebens! So harre in Sanftmut und Nachsicht, denn was ich in diesem heiteren Beisammensein gewinne, gehört einzig dir – gestärkt an Geist und Gemüt, ein noch besserer Gatte, ein noch innigerer Freund!

So sei’s gesegnet, das hohe Fest der Männlichkeit, und sei’s gelobt, die holde Geduld der liebenden Gattin!